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Totentanz

A program of vocal and instrumental pieces of the 16th century, inspired by the famous painting “Basler Totentanz”

32beinhaus


Bis zum Ende des Mittelalters erscheint der Tod als eine theologische Rezeption immer in Verbindung mit der Wiederauferstehung und dem Jüngsten Gericht. Doch durch die großen Epidemien, die schwarze Pest, die Kriege und die allgemeine Krise, die das späte 15. und das 16. Jahrhundert charakterisieren, nimmt der Tod in seiner Allgegenwärtigkeit eine weltlichere Gestalt in der christlichen Wahrnehmung an.

Das Thema des Totentanzes, das in sowohl Religion und Literatur als auch in bildender Kunst zu finden ist, erscheint uns nicht wie ein Tanz als solcher, sondern wie eine Folge von Geschichten oder eine Parade von Personen, die von der Hand des Todes zu ihrer endgültigen Bestimmung gelenkt werden.

Es ist ein Memento Mori, das uns an die Zerbrechlichkeit der menschlichen Freuden erinnert und uns zum Nachdenken anregt; vor allem, dass es eine Tatsache ist, dass wir alle sterben müssen, ungeachtet unseres gesellschaftlichen Standes.

Der Tod erscheint uns mal grausam, mal ironisch, und er führt uns mit Reimen und passenden Begründungen ins Jenseits.

Zwei Totentänze wurden Mitte des 15. Jahrhunderts in der Stadt Basel angefertigt: einer im Augustinerkloster im Klingental und der andere- eine fast originalgetreue Reproduktion, jedoch in größerem Maßstab- auf dem alten Friedhof der Dominikaner, heute Totentanzplatz. Letzterer war ein Fresco von 60 Metern Höhe, und ist heute nur in Fragmenten und als Kopie von Johann Rudolf Feyerabend im historischen Museum Basel erhalten geblieben.

Obwohl die erste Auflage der Drucke vom Totentanz Hans Holbeins sich im Jahre 1538 in Lyon befand, war seine Entstehungszeit ungefähr zwischen 1523 und 1526, genau während eines Aufenthalts des Malers in Basel. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass der „große“ Totentanz des Dominikaner-Friedhofs als seine wesentliche Quelle der Inspiration gedient hat.

Dieses Werk Holbeins, sieben mal gedruckt zwischen 1538 und 1562, zeigt eine völlig neuartige ästhetische und intellektuelle Komplexität, die in einer Epoche großen politisch-religiösen Konflikts zwischen der orthodoxen katholischen Kirche und den neuen Prinzipien der Reformation und des Humanismus eine künstlerische und theologische Debatte anregte.

So stellt Holbein einen Papst mit einer dreifachen Krone dar, auf einem Thron der Macht und des Luxus sitzend, mit nackten Frauen und Dämonen zu seiner Seite. Zu seinen Füßen knien Könige und Kaiser.

Auch illustriert er einen schweißbedeckten, bäuerlichen Adam und eine sehr sinnliche Eva, die resigniert ihre Nachkommen aufzieht und unter Schmerzen empfängt. Beide werden von der Vertreibung aus dem Paradies an begleitet vom geschlechtslosen Skelett, das den von Gott befohlenen Tod repräsentiert.

Holbein verzichtet definitiv auf das Motiv des Tanzes, obwohl er konsequent Musikinstrumente darstellt.

Die Hauptfrage unseres Projektthemas ist also:

Ist der Totentanz überhaupt ein Tanz?

Gab es einmal Musik, die dafür bestimmt war?

Die Musik wird in verschiedenen „Totentänzen“ dargestellt durch eine große Bandbreite an Instrumenten, die vom Tod selbst gespielt werden.

Da es keine Musik gibt, die direkt mit dem Thema verbunden ist, vereint I Fedeli die Instrumente, die auf den Holzschnitten zu sehen sind und interpretiert Werke der Renaissance, die thematisch zu einer Auswahl an Holbeins Drucken passen.

Durch den Gebrauch von Projektionen dieser Werke während des Konzerts, kann das Publikum die Vision des Todes und seine Wahrnehmung in der Renaissancezeit sowohl visuell als auch auditiv erleben.

Komponisten:

Francesco Corteggia (1502 – 1571)

G.P. da Palestrina (1525-1596)

Juan del Encina (1468-1530)

Marco’Antonio Ingenieri (c.1547 – 1592)

Gioanni Gabrieli (c.1554/1557 – 1612)

Andrea Gabrieli (h.1510 – 1586)

und andere…

Musiker:

2 Sänger (Sopran und Tenor)
7 Instrumentalisten (Zink, Txistu, Dudelsack, Schalmei, Pommer, Posaune, Zugtrompete, Dulzian, Perkussion)

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